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2015.05.01 (Masterarbeit) Produktökobilanzierung als Steuerungsinstrument für die Nachhaltigkeitsperformance von KMU. Eine kritische Analyse am Beispiel des Unternehmens Premium


Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, anhand eines Fallbeispiels die Frage zu beantworten, ob die Produktökobilanzierung nach ISO 14040 und 14044 ein für KMU geeignetes Instrument der produktbezogenen quantitativen Nachhaltigkeitsbewertung ist. Des Weiteren soll geklärt werden, ob es für KMU zweckmäßig ist, die Ergebnisse einer Produktökobilanz an ihre Stakeholder zu kommunizieren, und in welchem Umfang dies ggf. geschehen sollte. Ferner soll erörtert werden, wie das Instrument der Produktökobilanz erweitert werden könnte, um in KMU sämtliche Nachhaltigkeitsaspekte in Entscheidungsprozessen zu berücksichtigen.
Hierfür wurde zunächst der Stand der Forschung zum Einsatz von Instrumenten des Nachhaltigkeitsmanagements und insbesondere der (Produkt-) Ökobilanzierung in KMU eingehend untersucht. Zusätzlich wurden die wissenschaftlichen Hintergründe zur Produktökobilanzierung, zur Kommunikation der Ergebnisse von Produktökobilanzen und zur produktbezogenen lebenszyklusorientierten Bewertung auch sozialer und wirtschaftlicher Aspekte beleuchtet. Vor diesem Hintergrund wurde anschließend gemäß der Zielvorgaben des Unternehmens Premium eine Produktökobilanz für das Getränk Premium-Cola erstellt. Anhand dieses Fallbeispiels wurde überprüft, inwiefern die Erkenntnisse aus der Theorie in der Praxis Gültigkeit haben, mit welchen Schwierigkeiten KMU konfrontiert sind und in welchem Verhältnis Aufwand und Nutzen der Produktökobilanzierung für KMU stehen.

Das Fallbeispiel bestätigt, dass neben einigen Faktoren, die den Einsatz von Instrumenten des Nachhaltigkeitsmanagements in KMU befördern, jedoch v. a. knappe finanzielle und personelle Ressourcen, fehlendes Fachwissen sowie mangelnde Verfügbarkeit und Qualität von Daten die KMU bei der Produktökobilanzierung nach ISO 14040 und 14044 vor große Schwierigkeiten stellen und die Ergebnisse beeinträchtigen. Daher wird der Aufwand zumindest für Kleinstunternehmen, aber auch für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen als unverhältnismäßig zum tatsächlich erzielten, eingeschränkten Nutzen bewertet und ihnen vom Einsatz von Produktökobilanzen nach ISO 14040 und 14044 grundsätzlich abgeraten. Die bei der Erstellung einer Produktökobilanz in KMU zu erwartenden Ergebnisse lassen sich wegen ihrer begrenzten Qualität und Exaktheit ferner nur bedingt für die externe Kommunikation nutzen, in jedem Fall jedoch nicht für Produktsiegel oder die vergleichende Produktwerbung. Schließlich kann KMU wegen des hohen Aufwands die parallele Bewertung weiterer Nachhaltigkeitsaspekte in Form einer Sozialbilanz, einer Lebenszykluskostenrechnung oder eines Life Cycle Sustainability Assessment nicht empfohlen werden.
Um den Aufwand für die produktbezogene und lebenszyklusorientierte Bewertung ihrer Nachhaltigkeitsperformance auf ein akzeptables Maß zu reduzieren, sollten KMU auf deutlich vereinfachte, auch halbquantitative oder qualitative Methoden wie bspw. die Hotspot-Analyse oder die Sustainability SWOT ausweichen. Die Weiterentwicklung der Methodik dieser zunehmend geschaffenen vereinfachten Instrumente der Nachhaltigkeitsmessung sowie die Bewertung ihres Verhältnisses von Aufwand und Nutzen für KMU sollte Gegenstand weiterer Forschung sein, um auch den für eine nachhaltige Entwicklung so wichtigen KMU eine effiziente Steuerung ihrer Nachhaltigkeitsperformance zu ermöglichen.


Kontakt: Maren Helmbold / Download