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Schutz

Aus PremiumWiki

Das Premium-"Betriebssystem" besteht aus den Haupt-Handlungsfeldern Ökologie, Soziales und Ökonomie; hinzu kommen noch Schutz- und Transferfelder. In allen Bereichen gibt es unterschiedlich gewichtete Module - Basismodule sind unserer Meinung nach Pflicht, einzelne Module sind wichtig aber nicht unbedingt zwingend, und die Arbeitsmodule bilden sozusagen die Kür. Hier die Module, die überwiegend im Handlungsfeld Schutz wirken, also Premium vor verschiedenen Gefahren schützen sollen die zum Teil normal sind, zum Teil aber auch durch unsere besondere Arbeitsweise erst entstehen:


Modul „Zugangsschutz“

Die Fülle an Informationen, zu denen Premium-Kollektivisten durch das Modul „Transparenz“ Zugang haben, verlangt nach einem Schutz vor z.B. neugierigen Mitbewerbern – die könnten die Infos ja sonst leicht gegen uns verwenden (leider schon vorgekommen). Deshalb haben wir eingeführt, dass neue Kollektivisten nur dann Zugang zu den Informationen erhalten, wenn sie mindestens einen anderen Kollektivisten persönlich kennen. So wird ein Netzwerk des Vertrauens geschaffen, das sicherlich irgendwann schwer überschaubar sein wird; dann werden wir uns was anderes einfallen oder z.B. das Netzwerk regelmäßig neu bestätigen lassen müssen.


Modul „Not-Entscheidung“

Ein Unternehmen, das nach dem Modul „Konsensdemokratie“ arbeitet, könnte sich ggf. selbst lahm legen - nämlich dann, wenn in einem bestimmten Thema kein Konsens erzielt werden kann. Beispiel aus der Praxis: wir konnten uns einmal nicht zwischen zwei Rückseiten-Bildern der Etiketten entscheiden. Ohne Etiketten keine Cola. In dieser Lage konnte der Markeninhaber und zentrale Organisator entscheiden, dass einmal ohne Rückseitenbild produziert werden soll, damit die Versorgung der Handelspartner nicht abreißt. Das ging nur, weil die Marke Premium offiziell „nur“ eine Einzelunternehmung ist – selbst ein Verein könnte z.B. bei einer (leider vorgeschriebenen) Abstimmung in Pattsituationen landen.

Dieses Modul verlangt unserer Meinung nach das Modul „Handschlag“.


Modul „Not-Ausschluss“

Ein Unternehmen, das konsequent nach dem Modul „Treue“ arbeitet, hat meist mehr Geduld mit schlechten Mitarbeitern oder Dienstleistern als normale Unternehmen - manchmal mehr, als für den eigenen Laden gesund ist. Ein Ausschluss ist vor dem Hintergrund des Moduls "Kollektiv" sehr heikel. Dennoch muss es ab einem gewissen (Schadens-)Level möglich sein, sich von wirklich schädlichen Lieferanten oder untreuen Mitarbeitern zu trennen. Dies kann im Einzelfall, je nachdem ob Vorsatz dahintersteckt oder Versehen, gemessen an der Schwere des angerichteten Schadens und an der Dreistigkeit des Verursachens sowie dessen persönlichem Hintergrund, nach nur einem oder mehreren Vorfällen geschehen. Es müssen in jedem Fall der Beirat konsultiert und das Kollektiv informiert werden. Bisher haben wir nur einmal jemand (nach Ausgeben eines Kassen-Bestandes) aus dem Kollektiv ausgeschlossen.

Dieses Modul verlangt unserer Meinung nach die Module „Vertragsfreiheit“, "Kollektiv" und "Sozialstandards".


Modul „Backups“

Ein dezentral organisiertes, aber dennoch von einzelnen handelnden Personen des Moduls „Zuständigkeiten“ abhängiges System verlangt nach besonderen Ausfallsicherheiten. Deshalb gibt es für alle betriebsrelevanten Personen mindestens einen Ersatz, außerdem einen Fallback-Banklogin und eine Person die ihn ggf. nutzen kann, jeweils einen Backup-Lieferanten soweit das möglich ist und nicht zuletzt auch ein Testament für die Marke.


Modul „Vorschriftentreue“

Für „normale“ Unternehmen ist das nicht immer selbstverständlich, aber wir versuchen die jeweils geltenden Vorschriften für Abläufe, Steuern, Zoll, Unterlagen usw. usf. immer einzuhalten, auch wenn das teilweise zu unverhältnismäßig hohem Aufwand führt. Beispiele wären z.B. der Rechnungsversand und -empfang nur auf Papier, Schweizer Käse (aufgrund eines Staatsvertrages zwischen der Schweiz und der Tschechei darf ein Pils in der Schweiz nur dann Pils heißen, wenn es aus Pilsen kommt), Pflichtbeiträge zur Berufsgenossenschaft und zur IHK für nix, "Gestellung außerhalb des Amtsplatzes" und ähnliche Späße. Muss aber leider sein, denn wir wollen das Gesamtwerk Premium vor Ärger mit Behörden schützen so gut das möglich ist. Ganz wird es evtl. nie gehen, denn manche Behörden erinnern doch ein wenig an Vogonen, man bekommt einfach kaum Informationen bzw. muss alles mühsam selbst herausfinden …


Ein schönes Ergebnis dieser Haltung: Unsere Steuerprüfung im Mai 2013 ergab "keine Beanstandungen. :-)

Modul „Handschlag“

Premium hat in acht Jahren keinen einzigen schriftlichen Vertrag mit Partnerunternehmen abschließen müssen, ein Handschlag oder eine Mail reicht, im Fall der Fälle würde auch konkludentes Handeln genügen. Das heisst, alle Partner haben ein noch stärkeres Interesse die jeweils andere Seite fair zu behandeln, sonst kann die nämlich jederzeit aussteigen. Das gilt natürlich auch für uns; wir sind also davor geschützt, vertraglich an jemanden gebunden zu sein von dem man sich eigentlich trennen müsste.

Modul „Konsensdemokratie“

Die Basisdemokratie wird häufig als beste Form von Demokratie gesehen - eine rein basisdemokratische = zahlenmäßige Abstimmung im Kollektiv wäre aber nicht ausreichend, denn so könnten z.B. 100 Endkunden 10 Händler im Preis drücken (was sie in der Realität durch ihre Käufe häufig tun). Umgekehrt sollten 10 Händler nicht die Macht haben, 100 Endkunden zu hohe Preise abzunehmen (was auch vorkommt). Der Schlüssel ist die z.B. im afrikanischen Raum verbreitete Konsensdemokratie: es muss so lange diskutiert werden, bis alle Beteiligten sich entweder einig sind oder einer Lösung zustmmen, mit der sie leben können. Das heisst, es gibt keinen Chef im klassischen Sinne - effektiv sind wir so davor geschützt, Fehlentscheidungen zu treffen die auf dem Willen einer einzigen Führungskraft beruhen.

Arbeitsmodul „Virtuelle Firma“

Premium hat kein Büro. Kollektivisten von Premium arbeiten wann und wo sie wollen, auch die Mitwirkung an Entscheidungen ist nicht zeitlich oder räumlich gebunden. Auf diese Weise schützen wir uns selbst vor zu hohen Fixkosten bzw. können im Fall von sinkenden Absätzen relativ gelassen bleiben.

Arbeitsmodul „Zuständigkeiten“

Über die Jahre haben sich gewachsene „Zuständigkeiten“ entwickelt, in denen Kollektivisten über längere Zeit zur Zufriedenheit des Kollektivs Aufgaben erfüllt haben. Deshalb haben sie in bestimmten Grenzen Freiräume für eigene Entscheidungen, müssen aber immer damit rechnen dass das Kollektiv im Nachhinein noch Änderungen verlangt – deshalb haben sie ein starkes Motiv (neben dem intrinsischen), so zu arbeiten dass die Bedarfe aller Beteiligten berücksichtigt werden. Die tägliche Arbeit kann somit im Prinzip wie die in einem „normalen“ Unternehmen funktionieren (abgesehen davon, dass die genannten Leute über zig Städte verstreut sind) - dies schützt uns davor, allzu lange für Entscheidungen zu brauchen.

Arbeitsmodul "Not-Lieferung"

Wir vereinbaren mit Getränkehändlern in aller Regel ein Zahlungsziel von zwei Wochen. Premium zahlt bei den Lieferanten sofort, wir müssen also je nach Menge einiges zwischenfinanzieren. Die Abstände zwischen den Lieferungen sind fast immer wesentlich länger als zwei Wochen - wenn ein Händler uns dennoch die Bezahlung von einer oder zwei Lieferungen schuldig bleibt und eine weitere bestellt, kann diese bei zu hohem Risiko für Premium abgelehnt werden. Das hängt natürlich von der Größe des Händlers ab, sodass kleine automatisch weniger "Druck" bekommen als große.

Durch abgelehnte Lieferungen würden wir aber letztlich Läden von der Versorgung abschneiden und Kunden auf dem Trockenen sitzen lassen - deshalb versuchen wir in solchen Fällen (2010 war der erste), diese Kunden vorübergehend direkt zu beliefern. Wenn der Händler seinen Verpflichtungen nachgekommen ist, stellen wir die direkten Lieferungen natürlich ein und übertragen den Kunden wieder an den Händler.

Arbeitsmodul "Vorsicht"

Das Modul "Vorschriftentreue" einzuhalten ist das eine; manchmal kann es außerdem sein, dass man sich aus Sicherheitsgründen an Vorschriften halten muss die noch gar nicht klar sind. Beispiel: ein Kollektivist möchte seinen Lohn teilweise an Wikileaks spenden, deshalb könnte man es auf der "Spenden"-Unterseite schreiben und verlinken. Das ist aber nicht ganz ungefährlich. Durch die dezentrale Struktur von Premium könnten wir uns hier also proportional mehr Ärger einfangen als ein formal großer Laden mit einer entsprechend aufgestellten Rechtsabteilung. Natürlich haben wir auch einen Anwalt der nicht sofort Rechnungen schreibt wenn man ihn bittet, aber man muss es ja nicht herausfordern.

Arbeitsmodul "Auswahl"

Bei der Auswahl von fest mitarbeitenden Kollektivisten durch einzelne Kollektivisten kann diese/r auch mal danebengreifen – damit dies nicht mehr bzw. seltener passiert, müssen neue „Mitarbeiter“ auch durch den Beirat angeschaut und freigegeben werden.

Arbeitsmodul "Zuverlässigkeit"

Wie in Kollektiven allgemein üblich haben auch wir mit teilweise mangelnder Zuverlässigkeit von Beteiligten zu kämpfen. Um die dadurch entstehenden Schäden zu begrenzen, haben wir folgendes ausgetüftelt:

Kollektivisten/innen die aktiv sein wollen definieren im Hintergrund ihre Zuständigkeit, etwa "Sprecher Hamburg für Stadtteile xy", "Orga-Kleinjobs auf Zuruf" oder "Einladungen zum Jahrestreffen". Wer dann zusagt einen Job zu übernehmen und dies nach dreimalier Erinnerung nicht macht, wird als "versteckt" markiert und verliert damit sein Veto-Recht bzw. darf nicht mehr mitbestimmen. Das Mitspracherecht würde nicht berührt, und die Person wird auch nicht öffentlich als unzuverlässig angeprangert; nur wer ganz genau im Hintergrund nachforscht, könnte sehen wer sich als unzuverlässig erwiesen hat. Die aktiven Kollektivisten können aber sehen wem man neue Jobs geben kann und wem evtl. nicht. Da sich Menschen und Lebensumstände aber auch ändern können, kann diese Einordnung nach drei Monaten wieder entfallen; Hinweis genügt.

Arbeitsmodul "Anfragen"

Wie in Kollektiven allgemein üblich haben auch wir mit teilweise mangelnder Zuverlässigkeit von Beteiligten zu kämpfen. Um die dadurch entstehenden Schäden zu begrenzen, haben wir folgendes entwickelt:

Neue Anfragen von interessierten Kunden laufen über eine zentrale Mailadresse, damit nichts (mehr) verlorengeht. Die Anfragen werden dann an Sprecher_innen, die zugesagt haben sich um ihre Stadt zu kümmern, weitergeleitet. Wenn diese das nach dreimaliger Erinnerung nicht tun, kann ihnen ihre Stadt entzogen und jemand anders gefunden werden. Auf diese Weise hat die Person vorher immer noch die Möglickeit, eine Bekümmerung zb wegen wenig Zeit usw abzulehnen, sodass andere Lösungen gefunden werden können - und insgesamt bleiben so hoffentlich keine Anfragen (mehr) liegen. Da sich Menschen und Lebensumstände aber auch ändern können, kann diese Einordnung nach drei Monaten wieder entfallen; Hinweis genügt.