Dieses Wiki wird derzeit gepflegt und nachgezogen, leider sind alle Informationen noch nicht gepflegt und aktuell. Bitte alle Informationen mit Vorsicht zu genießen.

Soziales

Aus PremiumWiki

Das Premium-"Betriebssystem" besteht aus den Haupt-Handlungsfeldern Ökologie, Soziales und Ökonomie; hinzu kommen noch Schutz- und Transferfelder. In allen Bereichen gibt es unterschiedlich gewichtete Module - Basismodule sind unserer Meinung nach Pflicht, einzelne Module sind wichtig aber nicht unbedingt zwingend, und die Arbeitsmodule bilden sozusagen die Kür. Hier die Module, die überwiegend im Handlungsfeld Soziales wirken:

Modul „Mindeststandards“

Es mag trivial klingen, ist aber die Basis für vieles: wir gehen davon aus, dass alle Menschen in einer Gesellschaft prinzipiell erstmal gleich"wertig" und wichtig sind, dass alle etwas können und beitragen für ein Miteinander, und dass man deshalb auf alle Menschen gleichermaßen achten sollte. Deshalb gilt es, Entscheidungen im Modul "Konsensdemokratie" zu treffen, damit Minderheiten nicht so leicht benachteiligt werden können. Außerdem ergibt sich daraus, dass es nicht nur einen Mindestlohn zu geben hat, sondern auch einen Maximallohn.


Wir legen von Anfang an großen Wert darauf, dass über Premium hinaus auch bei der Herstellung, der Logistik, dem Handel, dem Verkauf und bei allem was sonst noch irgendwie mit Premium zu tun hat, soziale Mindeststandards eingehalten werden („arschlochfreie Kette“ nennen das manche Kollektivisten). Deshalb haben wir z.B. einen Großhändler gekündigt, der seine Leergut-Sortierer letztlich mit 1,70 Euro Stundenlohn abspeisen wollte (und dem Sortierer einen Ausgleich gezahlt).


Wie immer bei Sozialstandards gibt es manchmal keine klaren Linien oder eindeutige Positionen, wie genau diese aussehen sollen. Es gibt aber einen nicht zu unterschreitenden Mindeststandard, bei dem sich schon der gesunde Menschenverstand einschaltet wie in oben genanntem Fall. Bisher sind wir nur in diesen Fällen aktiv geworden bzw. haben noch keine anderen (Zweifels-)Fälle gehabt, schauen aber genauer hin als andere: Bei neuen Gastronomen achten wir z.B. darauf wie zufrieden die Mitarbeiter vor Ort sind, bei Speditionen reden wir gezielt mit Lagerarbeitern ohne dass ihr Chef dabei ist, auf diese Weise sieht man schon vieles - aber dieses Modul muss auf jeden Fall noch weiter entwickelt bzw. mit einer Art Checkliste unterfüttert werden, die eine normierte Bewertung zulässt.


Ergänzend: Es ist leider so, dass nicht alle Lieferanten unserer Zutaten ihre Quellen offen legen, auch wenn wir das zig mal gefordert haben. Premium ist einfach noch zu klein um hier ausreichend Druck zu machen – aber das werden wir noch ändern ....


Modul „Kollektiv“

Premium arbeitet mit maximalem Outsourcing, d.h. Produktion, Logistik und Handel werden von selbständigen Partner-Unternehmen in einer relativ heterarchischen Arbeitsweise erledigt. Zugleich erfolgt maximales Insourcing, weil alle Beteiligten bei absolut allen Fragen der gesamten Organisation und der Konditionen gleichberechtigt mitreden können – und zwar inklusive der Endkunden, denn die sind schließlich auch beteiligt bzw. tragen Premium letzten Endes durch ihre Käufe. Die Summe der Beteiligten ergibt das „Premium-Kollektiv“,durch das alle Entscheidungen in der Regel per Mail beschlossen werden. Dabei kann es einzelne Befugnisse auf bestimmte Kollektivisten übertragen, sie diesen aber auch wieder entziehen oder Änderungen verlangen. Das Kollektiv bestimmt auch darüber, welche Anteile die Beteiligten (aus denen es sich ja zusammensetzt) bekommen – inklusive dem Anteil des Markeninhabers und zentralen Organisators von Premium. Dieser hat also (neben dem intrinsischen natürlich) ein starkes Motiv, alle Beteiligten fair zu behandeln; sonst wird nämlich sein Anteil gesenkt.


Voraussetzung für dieses Modul ist unserer Ansicht nach das Modul „Transparenz“, außerdem ist das Modul „Not-Entscheidung“ oder etwas ähnliches empfehlenswert.

Modul „Konsensdemokratie“

Die Basisdemokratie wird häufig als beste Form von Demokratie gesehen - eine rein basisdemokratische = zahlenmäßige Abstimmung im Kollektiv wäre aber nicht ausreichend, denn so könnten z.B. 100 Endkunden 10 Händler im Preis drücken (was sie in der Realität durch ihre Käufe häufig tun). Umgekehrt sollten 10 Händler nicht die Macht haben, 100 Endkunden zu hohe Preise abzunehmen (was auch vorkommt). Der Schlüssel ist die z.B. im afrikanischen Raum verbreitete Konsensdemokratie: es muss so lange diskutiert werden, bis alle Beteiligten sich entweder einig sind oder einer Lösung zustimmen, mit der sie leben können.

Dazu braucht es eine bestimmte Diskussionskultur und eine Reihe anderer Hintergedanken.

Dieses Modul kann besonders am Anfang zu sehr langen Entscheidungsprozessen führen, mittlerweile sind diese aber (zumindest bei uns) üblicherweise sehr schnell geworden.

Modul „Transparenz“

Wer keine Ahnung hat, kann auch keine Meinung haben. Wenn wir also kollektive Entscheidungen möglich machen wollen, müssen wir auch alle relevanten Informationen dazu verfügbar machen. Das bedeutet, wir müssen im Kollektiv nicht nur die Herkunft aller Zutaten und Komponenten sowie Zutaten inkl. Kontaktdaten offen legen, sondern auch Flaschenstatistiken, alle Kontobewegungen und deren Gründe, Gesprächstermine und Berichte von Verhandlungen, Rechtsgrundlagen, Hintergründe zu Entscheidungen, strategische Perspektiven usw. usf.

Durch diese Transparenz ergibt sich ein gewollter Druck, alles möglichst weitgehend korrekt zu machen -

Dieses Modul verlangt unserer Meinung nach die Module „Datenschutz“ und „Zugangsschutz“. Es wirkt zugleich auch im Handlungsfeld Transfer.

Modul „Datenschutz“

Im Kollektiv kommt es öfter mal vor dass jemand einen Job versemmelt oder eine zugesagte Lieferung nicht klappt – die Tatsache lässt jeweils sich auf Basis des Moduls „Transparenz“ nicht unbedingt geheim halten, aber evtl. möchte der/diejenige nicht dass die privaten Gründe für einen Ausfall im Kollektiv bekannt werden. Hier gilt es also, nur die für eine Entscheidung relevanten Informationen weiterzugeben; im Idealfall lässt sich die Sache anonymisieren. Dieses Modul schränkt daher das Modul „Transparenz“ ein, was aber zum Schutz der einzelnen Person gelegentlich nötig sein kann.

Wenn die Person anhand der sachlichen Informationen nicht anonymisierbar ist, beispielsweise wenn man nur einen Buchhalter hat und in seinem Feld etwas grob schiefliefe, möchte man die Person evtl dennoch nicht vor dem ganzen Kollektiv bloßstellen – es kann dann ein kleinerer Beirat befragt werden.

Modul „Handschlag“

Premium hat in über zehn Jahren keinen einzigen schriftlichen Vertrag mit Partnerunternehmen abschließen müssen, ein Handschlag oder eine Mail reicht, im Fall der Fälle würde auch konkludentes Handeln genügen. Das heisst, alle Partner haben ein noch stärkeres Interesse die jeweils andere Seite fair zu behandeln, sonst kann die nämlich jederzeit aussteigen. Im Ergebnis haben wir eine sehr stabile Struktur mit jahrelangen Partnerschaften.

Modul „Alkoholvorsorge“

Siehe auch die Arbeitsseite Alkohol-Vorsorge

Für die allermeisten Menschen ist Alkohol im entsprechenden Getränk nur ein schönes Genussmittel mit angenehmer Wirkung.

"Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schätzt in ihrem Jahrbuch 2009 die Zahl der Alkoholabhängigen in Deutschland auf 1,5 Millionen. 1,9 Millionen sind durch Alkoholmissbrauch gefährdet. Insgesamt konsumieren 5,6 Millionen Deutsche Alkohol auf riskante Weise. Der Grat zwischen Genuss und Gefahr ist schmal: Schon wer täglich einen Liter Bier trinkt, riskiert alkoholabhängig zu werden oder alkoholbedingte Organschäden zu bekommen. 30 bis 40 Gramm reiner Alkohol für Männer und 20 Gramm täglich für Frauen gelten als Grenze für körperliche Folgeerkrankungen." (Quelle)

Jedes Unternehmen, das Produkte mit Alkohol herstellt, muss also damit rechnen dass ein Teil des Umsatzes mit Suchtkranken erzielt wird. "Normalen" Herstellern ist das meistens egal, sie zwingen ja niemanden süchtig zu werden oder sagen dass sie nicht kontrollieren können wer kauft. Das Geld nehmen sie aber gerne.

Wir wollen vormachen wie es besser geht, und zweigen daher von jeder Flasche einen festen Anteil (über 10 Prozent aller Einnahmen von Anfang an) für die Alkoholismus-Vorsorge ab. Damit sind wir zwar Teil des Spiels, können aber nur so etwas verändern - und rufen hiermit alle anderen Alkohol-Hersteller auf, uns diesen Schritt nachzumachen.

(Auf der Premium-Bier-Flasche steht übrigens nichts von dieser Regelung, weil wir damit nicht werben wollen - das wäre ja auch unlogisch bzw. würde sich eventuell sogar kontraproduktiv auswirken)

Dieses Modul ist ein Brückenmodul und existiert auch im Handlungsfeld Transfer.

Siehe auch die Arbeitsseite Alkohol-Vorsorge

Modul „PR-Verzicht“

Einige Premium-Kollektivisten arbeiten in Kommunikation, Marketing oder PR – daher wissen wir leider, wie manche Medien in dieser Branche ticken: Manchmal kann nur „redaktionell was gemacht“ werden wenn man Anzeigen schaltet, in diesen und anderen Fällen werden die Texte häufig von Unternehmen zugeliefert und ungeprüft sowie fast unverändert abgedruckt, außerdem können die Ergebnisse eines Getränke-Vergleichstests von der Höhe des Sponsoring-Etats abhängig sein … leider alles schon vorgekommen mit teilweise abstrusen Begründungen.


Auf der anderen Seite geraten besonders klassische Medien immer stärker unter Druck, weil das Internet einfach schneller und kostenlos ist, außerdem sind Unternehmen nicht immer bereit mit Anzeigen-Etats um sich zu werfen. Keine Meinung ist schwarzweiß, nur unsere Getränke. Dennoch: Die Entwicklung geht ganz klar in eine falsche Richtung, denn solche Medien wie die genannten können ihre gesellschaftliche Kontroll- und Meinungsbildungs-Aufgabe nicht mehr neutral und seriös wahrnehmen.


Deshalb spielen wir bei den diversen schmutzigen Tricks nicht mit und weigern uns, Redaktion und Anzeigen zu vermischen, vorbereitete Texte zu liefern oder Testergebnisse zu beeinflussen, obwohl wir fachlich sicher wüssten wie man all das macht. Stattdessen stellen wir Redaktionen so viele Informationen wir möglich zur Verfügung und animieren sie aktiv, die Dinge genauer zu hinterfragen; die Kontaktdaten dazu drängen wir ihnen manchmal praktisch auf. Leider nutzen dennoch nicht alle Redakteure dieses Angebot voll aus, z.B. dann nicht wenn zuwenig Leute ihre Werke kaufen sodass einfach Geld- und Zeitdruck herrschen. Es gibt aber noch gute Ausnahmen: besonders intensiv haben (zumindest bei uns) der WDR, die Zeit, die Brand Eins, die Biorama und die absatzwirtschaft recherchiert. Danke!

Arbeitsmodul „Virtuelle Firma“

Premium hat kein Büro. Kollektivisten von Premium arbeiten wann und wo sie wollen, auch die Mitwirkung an Entscheidungen ist nicht zeitlich oder räumlich gebunden. Auf diese Weise bestimmt das „Arbeitsleben“ nicht mehr als nötig über das Privatleben, wobei es natürlich manchmal einfach nötig ist Sachen fertigzumachen oder einen externen Termin einzuhalten. Dennoch: durch die virtuelle Organisationsform haben mitarbeitende Kollektivisten mehr Freiheiten als in „normalen“ Beschäftigungsverhaltnissen. Auch deswegen haben wir evtl. eine sehr geringe Fluktuation, und wenn mal jemand aus privaten Gründen geht, kommt er/sie meist irgendwann zurück.

Dieses Modul spart Kosten und hat daher natürlich auch Auswirkungen im Handlungsfeld Ökonomie.

Arbeitsmodul „Zuständigkeiten“

Über die Jahre haben sich gewachsene „Zuständigkeiten“ entwickelt, in denen Kollektivisten über längere Zeit zur Zufriedenheit des Kollektivs Aufgaben erfüllt haben. Deshalb haben sie in bestimmten Grenzen Freiräume für eigene Entscheidungen, müssen aber immer damit rechnen dass das Kollektiv im Nachhinein noch Änderungen verlangt – deshalb haben sie ein starkes Motiv (neben dem intrinsischen), so zu arbeiten dass die Bedarfe aller Beteiligten berücksichtigt werden. Die tägliche Arbeit kann somit im Prinzip wie die in einem „normalen“ Unternehmen funktionieren (abgesehen davon, dass die genannten Leute über zig Städte verstreut sind).

Eine Liste der aktuellen Zuständigkeiten folgt noch.

Arbeitsmodul "Treue"

Wir wollen unseren Lieferanten und Partnern eine möglichst große Planungssicherheit bieten und sind ihnen daher extrem treu. Das bedeutet, wir arbeiten einfach über Jahre miteinander, verhandeln fast nie die Preise, freuen uns wenn die Zusammenarbeit läuft und setzen diese gern ewig fort. Auch im Fall von Problemen wird lieber länger verhandelt und gemeinsam nach einer Lösung gesucht als sofort der Lieferant ausgetauscht … Diese Haltung ist übrigens auch klug unserer Meinung nach, weil man sich eben häufige Wechsel bzw. den Aufwand dafür erspart. Wenn wir uns dann doch von einem Lieferanten trennen müssen, ist das praktisch ein mittlerer Staatsakt. Möglich ist es aber grundsätzlich, siehe dazu die Module „Not-Ausschluss“ und „Keine Verträge“.

Arbeitsmodul "Keine Termine"

Die Arbeit von Spediteuren und Händlern ist vielfältigen äußeren Einflüssen unterworfen – ersteren wird z.B. durch die jeweils aktuelle Wetter- und Verkehrslage inkl. Baustellen, Staus usw usf. das Leben schwergemacht, sodass die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten durchaus zum Problem werden können. Eingehalten werden müssen sie natürlich trotzdem, aber mit möglichst wenig negativen Folgen für den Spediteur ...


Angenommen, man wartet als LKW-Fahrer zwei Stunden an einer Ladestelle, gerät dadurch in den Feierabendverkehr und verliert eine weitere Stunde, schon ist die Heimfahrt in den Norden nicht mehr innerhalb der erlaubten Lenkzeit zu schaffen - also gilt es erstmal zu schlafen, wofür ein Parkplatz gefunden werden muss was auch nicht immer sofort klappt ... In jedem Fall ist schnell ein halber Tag verloren, es gibt aber nicht mehr Geld für die Tour, und die Kosten des LKW laufen parallel weiter. Bei Händlern ist es ähnlich, mehrere Liefer-Termine in Reihe bedeuten einfach dass man z.B. den sechsten nicht mehr fest zu einer bestimmten Zeit zusagen kann.

Hinzu kommt dann, dass einige Kunden o.g. Zusammenhänge nicht einsehen wollen, feste Anliefer-Termine vorgeben und meckern oder die Rechnung kürzen falls ein Termin nicht klappt. Wir geben unseren Spediteuren und Händlern nie feste Termine, außer es steht z.B. ein Festival an. Auch dann würden wir aber Verzögerungen durch äußere Einflüsse problemlos akzeptieren.